Die Lombardi-Gruppe erbringt multidisziplinäre, massgeschneiderte Ingenieurleistungen in den Bereichen Verkehr, Untertagbau, Wasserinfrastrukturen und erneuerbare Energien für den privaten und den öffentlichen Sektor weltweit. Das international tätige Unternehmen beschäftigt mehr als 1.100 Mitarbeitende.
Lombardi verbindet Tradition mit Innovationskraft – über 10’000 realisierte Projekte und eine klare Überzeugung: Collaboration ist der Kern des Erfolgs. Teamarbeit ist nicht nur gelebte Praxis, sondern ein zentraler Wert, der sich durch alle Projekte und Produkte zieht.
Gemeinsam mit MondayCoffee hat Lombardi CoffeeNet 365 unter dem Namen «Look» als Company OS eingeführt. Seit dem Launch im Jahr 2024 hat sich Look zu einer zentralen Plattform für strukturierte Zusammenarbeit und transparente Prozesse entwickelt – mit rund 700 Unique Usern pro Tag.
Ergänzend dazu wurden zentrale Prozesse mit der Microsoft Power Platform digitalisiert – von der Angebotsprüfung über das Opportunity Management bis hin zum gruppenweiten Risk Management. Das Ergebnis: Weniger Komplexität im Alltag, mehr Transparenz – und bessere Entscheidungsgrundlagen für ein Unternehmen dieser Grössenordnung.
Im Interview mit dem COO von Lombardi, Fulvio Besseghini, sprechen wir darüber, wie diese Kombination aus Collaboration und konsequenter Prozessdigitalisierung in der Praxis gelebt wird.
Herr Besseghini, Lombardi steht für «von Tradition her innovativ». Was bedeutet dieser Anspruch ganz konkret in Ihrem operativen Alltag als COO?
Fulvio Besseghini: Für mich bedeutet «von Tradition her innovativ», zwei Verantwortungen zusammenzuhalten, die auf den ersten Blick widersprüchlich wirken können. Wir bauen auf der Erfahrung, technischen Exzellenz und Verlässlichkeit auf, die Lombardi über mehr als 70 Jahre entwickelt hat. Gleichzeitig verbessern wir kontinuierlich die Art und Weise, wie wir arbeiten.
Ich habe diese Kultur sehr persönlich erlebt, als ich 2007 zu Lombardi kam. Damals waren wir rund 120 Personen. Ich erinnere mich noch gut, wie ich Dr. Lombardi, unseren Gründer, im Gang begegnete. Er hielt mir die Tür auf. Ich sagte: „Nein, bitte, gehen Sie zuerst.“ Und er antwortete: „Ich bin alt, ich gehe ein Buch lesen. Sie haben wichtigere Dinge zu tun.“ Es war ein kleiner Moment, aber er sagt viel über den «Spirit» dieses Unternehmens aus.
Lombardi hat über 10'000 Projekte abgeschlossen. An welchen Stellen werden Prozesse in einer Organisation mit dieser Erfahrung und Grösse komplex oder herausfordernd?
Fulvio Besseghini: Die technische Arbeit selbst ist oft nicht die einzige Herausforderung. Die eigentliche Komplexität liegt in der Koordination.
Wir arbeiten über mehrere Länder, Fachbereiche und Märkte hinweg. Wir haben Expertinnen und Experten für Wasserkraft, unterirdische Bauwerke, Infrastruktur, elektromechanische Systeme, Sicherheit und viele weitere Bereiche. Die Herausforderung besteht darin, sicherzustellen, dass die richtige Expertise im richtigen Moment zur richtigen Gelegenheit gelangt.
Damit das funktioniert, müssen Informationen und Wissen jederzeit zugänglich sein. Das beginnt mit der richtigen Haltung; ein Tool kann erst danach sinnvoll unterstützen. Das habe ich sehr stark wahrgenommen, als ich nach einem Umfeld mit weniger Offenheit zu Lombardi kam. Mich hat beeindruckt, wie transparent alles war. Wir versuchen, die Dinge so offen wie möglich zu halten, denn Offenheit ermöglicht es, Expertise durch die Organisation zu bewegen.
Das ist auch deshalb wichtig, weil wir möchten, dass Menschen nahe beim Kunden Freiheit und Entscheidungsspielraum haben. Ich habe für Lombardi in Peru, Argentinien und an anderen Orten gearbeitet, und in solchen Situationen spürt man sehr deutlich, dass Menschen vor Ort Handlungsspielraum brauchen. Aber Freiheit funktioniert nur, wenn verlässliche Informationen verfügbar sind und die Rahmenbedingungen klar sind.
In einem Interview sagte Lombardis CEO, dass Zusammenarbeit das ist, was das Unternehmen auszeichnet, und dass sie als gelebter Unternehmenswert tief in der Kultur verankert ist. Wo zeigt sich diese Zusammenarbeit im Alltag am stärksten, und wo wurde klar, dass Prozesse sie wirksamer unterstützen müssen?
Fulvio Besseghini: Zusammenarbeit zeigt sich jeden Tag, wenn Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Fachbereichen und Standorten gemeinsam an demselben Projekt arbeiten. Unsere Projekte sind gross, sie involvieren viele Menschen und laufen oft über lange Zeit. Das funktioniert nur, wenn Informationen leicht zugänglich, nachvollziehbar und für alle Beteiligten verständlich sind.
Zusammenarbeit wird schwierig, wenn Informationen lokal bleiben, wenn Entscheidungen in persönlichen Dateien verborgen sind oder wenn Menschen nicht wissen, wo sie suchen sollen. Wir alle haben unsere persönlichen Arbeitsweisen. Das ist normal. Aber wenn ein Unternehmen wächst, kann Zusammenarbeit nicht mehr nur auf persönlichen Beziehungen und informeller Kommunikation beruhen. Gemeinsame Standards helfen uns, Klarheit zu schaffen und bessere Entscheidungen schneller zu treffen.
Wir haben zudem einen grossen Vorteil: Unsere wichtigsten Entscheidungsträger sind eng mit dem Unternehmen verbunden, viele von ihnen auch als Aktionäre. Das schafft einen starken Zusammenhalt und stärkt die Zusammenarbeit über die gesamte Organisation hinweg.
Microsoft liefert die Tools. CoffeeNet® 365 ist Ihr Company OS.
Mit CoffeeNet 365 wird Microsoft 365 vom Tool‑Baukasten zur produktiven Arbeitsumgebung: Best‑Practice‑Strukturen, klare Standards und zusätzliche Funktionen für den Arbeitsalltag – damit Zusammenarbeit in Abteilungen, Projekten und Meetings einheitlich funktioniert und Informationen dort sind, wo man sie erwartet.
Wenn Sie an die Situation vor unserem Prozessdigitalisierungsprojekt mit der Microsoft Power Platform zurückdenken: Was war rund um Offer Checks, Opportunity Management und Risikomanagement zu langsam oder nicht transparent genug?
Fulvio Besseghini: Das Problem war nicht fehlende Kompetenz. Die Informationen waren oft vorhanden, aber nicht immer strukturiert zugänglich.
«Opportunities» wurden häufig zunächst innerhalb einer lokalen Organisation gesteuert und waren über das breitere Unternehmen hinweg nicht immer ausreichend sichtbar. Strategische Akquisitionsentscheide waren dadurch manchmal nur schwer konsistent vergleichbar. Das führte dazu, dass das Management weniger Echtzeittransparenz hatte, als wir es wollten, und es schwieriger war, ein gemeinsames Bild über die Organisation hinweg zu schaffen.
Was war Ihnen wichtig, damit aus den drei Power Platform Lösungen nicht einfach drei digitale Werkzeuge werden, sondern echte Verbesserungen für Governance und Zusammenarbeit?
Fulvio Besseghini: Das zentrale Ziel war, Entscheidungsfindung und Verantwortlichkeit zu unterstützen. Technologie war nur der Enabler.
Wir wollten, dass jede Lösung denselben Prinzipien folgt: Transparenz, Nachvollziehbarkeit, klare Verantwortlichkeiten und zugängliche Informationen. Wenn ein Tool nur einen bestehenden Prozess digitalisiert, ist der Wert begrenzt. Wenn es aber verbessert, wie Menschen zusammenarbeiten und wie Entscheidungen getroffen werden, dann wird es Teil von Governance. Offer Check, Risikomanagement und Opportunity Management gab es bereits in irgendeiner Form. Was sich verändert hat: Sie folgen nun gemeinsamen Prinzipien und einer gemeinsamen Logik, mit demselben Look and Feel und einem klaren Platz in unserer Arbeitsumgebung. Alle wissen, wo sie Informationen ablegen und wo sie danach suchen müssen.
Beginnen wir mit dem «Offer Check»: Was verändert sich, wenn die Entscheidung, ob man an einer Ausschreibung teilnimmt oder nicht plötzlich strukturiert, nachvollziehbar und für das Management transparent abläuft?
Fulvio Besseghini: Die grösste Veränderung ist die Qualität der Entscheidung.
Ein strukturierter Offer Check zwingt uns, Opportunities konsequent zu bewerten, bevor wir Ressourcen binden. Wir betrachten strategische Passung, operative Machbarkeit und risikobezogene Kriterien. Das macht die Entscheidung nicht automatisch, aber es macht die Begründung explizit.
Das Management gewinnt Sichtbarkeit, und die Projektteams gewinnen Klarheit. Entscheidungen werden nachvollziehbar, Annahmen werden sichtbar und Lessons Learned lassen sich leichter erfassen. Mit der Zeit entsteht dadurch ein disziplinierterer Akquisitionsprozess und eine stärkere Ausrichtung zwischen Opportunities und Strategie.
Heute werden bereits 80% aller Angebote über den Offer Check geprüft. Ein klares Zeichen dafür, dass Menschen einen Prozess nutzen, wenn er einfach, transparent und hilfreich ist.
„MondayCoffee ist nicht beim Tool gestartet, sondern beim Geschäft. Sie haben zugehört, kritisch nachgefragt und den Rahmen sauber abgesteckt. Noch bevor etwas gebaut wurde, haben sie sichtbar gemacht, wie die künftige Arbeitsweise für die Nutzerinnen und Nutzer aussehen kann. So konnten wir sie diskutieren, an konkreten Situationen prüfen und Feedback direkt einfliessen lassen. Das hat einen echten Unterschied gemacht. Die Lösungen orientieren sich an unseren tatsächlichen Prozessen – nicht umgekehrt. Und weil viele Menschen früh eingebunden waren, begann die Adoption bereits, bevor „Look“ und die neuen Prozesse live gingen. Genau darin liegt für mich der Wert von MondayCoffee: technische Expertise, Verständnis für das Business und die Bereitschaft, über das hinauszugehen, was ein Kunde zunächst verlangt – hin zu dem, was im Unternehmen wirklich Wirkung erzeugt.“
— Fulvio Besseghini, COO Lombardi Group
Beim «Opportunity Tracker» geht es um gruppenweite Sichtbarkeit. Wie verändert sich Zusammenarbeit, wenn Chancen nicht mehr lokal bleiben, sondern übergreifend sichtbar und steuerbar werden?
Fulvio Besseghini: Sobald Opportunities über das ursprüngliche Team oder den Standort hinaus sichtbar sind, erkennen Menschen Synergien früher. Expertinnen und Experten können schneller eingebunden werden. Die Ressourcenplanung wird realistischer. Unterschiedliche Teams können ihr Wissen einbringen, bevor ein Angebot eingereicht wird.
Anstatt Opportunities nur lokal zu steuern, beginnen wir, einen Teil davon gemeinsam zu steuern. Das entspricht vollständig Lombardis Ziel, die Koordination zu stärken und die Zusammenarbeit innerhalb der Gruppe zu unterstützen. Wichtig: Das Erfassen einer neuen Opportunity dauert weniger als 1 Minute. Für die Nutzerinnen und Nutzer ist es einfach und die Wirkung für die Gruppe ist erheblich.
Und wo Chancen sichtbar werden, müssen auch Risiken sauber geführt werden. Was bedeutet der «Risk Tracker» für Sie als COO?
Fulvio Besseghini: Der “Risk Tracker” bedeutet mehr Kontrolle, bessere Entscheidungen und stärkere Verantwortlichkeit. Wenn ich eines auswählen müsste, würde ich bessere Entscheidungsfindung sagen.
Engineering wird immer mit Unsicherheit verbunden sein. Das Ziel ist nicht, Risiken zu eliminieren, sondern sie früh genug zu verstehen, um fundierte Entscheidungen zu treffen. Der Risk Tracker schafft einen gemeinsamen Rahmen. Risiken werden sichtbar, Verantwortlichkeiten werden klar und Follow-up wird messbar.
Der Risk Tracker wurde zunächst vor allem in der Schweiz genutzt, und nun erweitern wir den Einsatz. Für mich geht es dabei auch darum, ein Forecasting-Mindset zu etablieren: Ingenieurinnen und Ingenieure lieben Zahlen. Vorstellungskraft ist weniger selbstverständlich unser Bereich. Hinter dem Risk Tracker steckt deshalb eine wichtige Übung: In manchen Bereichen werden Risiken alle drei Monate überprüft, in anderen zweimal pro Jahr. Wichtig ist nicht nur die Struktur, sondern auch die Bereitschaft der Menschen, sich zu öffnen, sich einzubringen und zu diskutieren, was passieren könnte.
Wenn viele Menschen über Governance sprechen, denken sie zuerst an Regeln. Governance kann aber auch als Enabler verstanden werden. Warum ist genau diese Art von Struktur so wichtig, damit Innovation im Alltag funktioniert?
Fulvio Besseghini: Gute Governance schafft Klarheit. Sie definiert Verantwortlichkeiten, verbessert Transparenz und ermöglicht es Menschen, ihre Energie auf das Lösen von Problemen zu richten, statt sich durch Unklarheit zu navigieren.
Das ist auch in Zeiten von KI wichtig. Wenn Informationen fragmentiert oder unklar sind, schaffen neue Technologien nicht automatisch Wert. Sie können sogar zusätzliche Verwirrung erzeugen. Wenn die Struktur aber klar ist, wenn Verantwortlichkeiten sichtbar sind und wenn die Informationen verlässlich sind, dann kann Innovation Menschen tatsächlich dabei helfen, besser zu arbeiten.
Die Microsoft Power Platform eröffnet Unternehmen neue Möglichkeiten, Geschäftsprozesse schneller zu digitalisieren und näher am Arbeitsalltag der Fachbereiche umzusetzen. Im Interview erklärt Massimo Erroi, Principal Business Consulting bei MondayCoffee, warum echte Prozessdigitalisierung erst dann funktioniert, wenn Unternehmen weg vom Tool‑Flickenteppich hin zu einheitlich gelebten Prozessen im Arbeitsalltag gehen.
Was würden Sie anderen Unternehmen sagen, die Power Platform zwar interessant finden, sich aber noch nicht trauen – oder dafür immer noch Dritttools im Einsatz haben? Was sind die Vorteile, alles im Microsoft-365-Ökosystem abzudecken?
Fulvio Besseghini: Der grösste Vorteil ist die Integration. Lösungen innerhalb des Microsoft-365-Ökosystems zu bauen, reduziert Fragmentierung und vereinfacht die Adoption.
Die Nutzerinnen und Nutzer arbeiten in einer vertrauten Umgebung. Daten bleiben verbunden. Governance wird einfacher. Sicherheit und Zugriffsmanagement werden vereinfacht. Der eigentliche Wert entsteht aber nicht durch die Plattform allein. Er entsteht, wenn digitale Lösungen konsequent entlang von Geschäftsprozessen und Governance-Anforderungen gestaltet werden.
Und wenn Sie das in einem letzten Satz verdichten müssten: Was ist für Sie das stärkste Ergebnis dieser Reise?
Fulvio Besseghini: Wir haben kritische Geschäftsprozesse von isolierten Aktivitäten in gemeinsame, transparente und datenbasierte Entscheidungen verwandelt, die Zusammenarbeit, Governance und Umsetzung über die gesamte Organisation hinweg stärken.
Neugierig, wie das bei Ihnen aussehen kann?
Ein strukturierter Blick auf bestehende Abläufe zeigt schnell, wo Prozesse vereinfacht, automatisiert oder besser genutzt werden können.